Schreibaby

Es gibt kaum eine größere Belastung für Eltern, als über Tage und Wochen dem Schreien eines Säuglings ausgesetzt zu sein. Für viele Eltern ist dieses eine Extremsituation, die nicht selten die Belastungsgrenzen der Betroffenen auch überschreitet. Speziell dann, wenn eigene Bindungsdefizite oder traumatische Belastungen bei den Eltern vorliegen, besteht die Gefahr, dass die Eltern die Bindungsbedürfnisse nach Halt, Geborgenheit und Spiegelung nur unzureichend beantworten können. In diesen Fällen besteht ein erhöhtes Risiko, dass die Eltern mit ihren Babys in einen Kreislauf aus Angsterleben, Körperverspannung und Bindungsabbruch hineingeraten.

Während das normale Schreiverhalten des Säuglings ein wichtiges Kommunikationsmittel des Säuglings darstellt, zeigt sich das untröstliche Weinen dadurch, dass es durch Hilfs- und Pflegeangebote der Eltern (wie Tragen, Schaukeln oder Stillen) kaum oder gar nicht zu beeinflussen ist. Die exzessiven Schreibabys sind auffällig durch ihre herabgesetzte Reiztoleranz. Eine Umwelt, welche für ein gut reguliertes Babys kein Problem darstellt (wie etwa der Besuch einer Stillgruppe oder eines Rückbildungskurses), kann für das sogenannte Schreibaby zur großen Herausforderung werden. Die übermäßig weinenden Babys sind sehr schreckhaft, ihre Stimmung kann innerhalb weniger Sekunden von zufrieden und entspannt in einen unglücklichen, übererregten Zustand wechseln. Schon eine laut zufallende Tür oder eine plötzliche Lageveränderung ist häufig ein Auslöser dafür, dass das Baby plötzlich und ohne Ankündigung in ein untröstliches Weinen wechselt.